Gemeinsam klüger: Große Fischschwärme treffen bessere Entscheidungen

Freilebende Fischgruppen erkennen Gefahren schneller und reagieren treffsicherer, je größer sie sind

Bericht: Humboldt-Universität zu Berlin

Wenn ein Raubvogel angreift, zählt für Fische jede Sekunde: abtauchen oder bleiben? Eine falsche Entscheidung kann tödlich enden – entweder, weil sie zu spät kommt oder weil eine Bedrohung fälschlich als harmloses Geräusch gewertet wird. Eine Studie von Forschenden des Exzellenzclusters „Science of Intelligence“ (SCIoI) sowie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigt nun, dass größere Fischschwärme solche Entscheidungen nicht nur schneller, sondern dass sie auch bessere Entscheidungen treffen können. Die Ergebnisse, die soeben in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances erschienen sind, liefern den bislang ersten unter natürlichen Bedingungen erbrachten Nachweis, dass große Tiergruppen zwei klassische Zielkonflikte überwinden können: echte Gefahren erkennen, ohne auf jede Störung zu reagieren und schnelle Entscheidungen treffen, ohne dabei an Genauigkeit zu verlieren. … weiterlesen

Rabenkrähen können lernen, Werkzeug zielgerichtet einzusetzen

Forschungsteam der Universität Tübingen zeigt im Experiment, wie Krähen lernen, ein Stäbchen präzise im Schnabel zu führen, um damit an Futter zu gelangen

Bericht: Eberhard Karls Universität Tübingen

Durch gezieltes Training können heimische Rabenkrähen lernen, ein Stäbchen zum Heranholen von Futter einzusetzen. Mit zunehmender Übung beweisen sie dabei einerseits großes Geschick und kommen mit wenigen Schritten an ihr Ziel; andererseits reagieren sie flexibel auf abweichende Bedingungen im Experiment. Das haben Dr. Felix Moll, Julius Würzler und Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen in Verhaltensversuchen mit zahmen Vögeln festgestellt. In der freien Wildbahn ist der Werkzeuggebrauch bei Rabenkrähen nicht bekannt. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass bereits ein geringer Evolutionsdruck ausreichen würde, dass sie solche Fähigkeiten auch ohne spezielles Training entwickelten. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht. … weiterlesen

Studie beweist: Auch Hundewelpen kommunizieren durch Blicke mit Menschen

Bericht: Veterinärmedizinische Universität Wien

Im Alter ab acht bis zehn Monaten fangen Kleinkinder an, zwischen einem interessanten Objekt und einer anderen Person hin- und herzublicken. Diese Fähigkeit wird von der Wissenschaft als grundlegend für die Entwicklung komplexer sozial-kognitiver Fähigkeiten angesehen. Eine in „Animal Cognition“ erschienene Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Universität Wien und der Universität Bern liefert den Nachweis, dass diese Fähigkeit nicht auf Menschenkinder beschränkt ist. Auch Hundewelpen zeigen diese Gabe bereits im Alter von wenigen Wochen. … weiterlesen

Eichhörnchen passen ihre tageszeitlichen Aktivitäten sehr flexibel an Menschen, Haustiere und Wildtiere in der Stadt an

Bericht: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

Forschungen vor und während des CoVid-19-Lockdowns im Jahr 2020 in Berlin zeigen, dass in der Stadt lebende Eichhörnchen geschickte Anpassungstalente sind und ihre tageszeitlichen Aktivitäten äußerst flexibel an der Anwesenheit von Menschen, Hunden, Katzen und Beutegreifern wie Steinmardern ausrichten. Mit Hilfe von Wildtierkameras zeichneten Forscher*innen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und Bürgerwissenschaftler*innen in privaten Gärten und Grundstücken die Aktivitäten der Nager über längere Zeiträume auf und verglichen diese zwischen den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. … weiterlesen

Egal, in welcher Situation: Hunde kopieren Frauchen & Herrchen

Bericht: Veterinärmedizinische Universität Wien

Ein Forschungsteam der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte in einem Belohnungsexperiment mit einem Spielzeugball das Verhalten von Hunden. Den Fokus richteten die Forscher:innen dabei auf das Überimitieren, eine Art Kopieren einer nicht-funktionalen Handlung der menschlichen Bezugsperson durch die Vierbeiner. Dabei zeigte sich, dass auch Hunde, welche das Belohnungsexperiment bereits kennen, ihre Bezugsperson überimitieren. Einen wichtigen Unterschied konnten die Wissenschafter:innen in ihrer in „Nature Scientific Reports“ erschienenen Studie ebenfalls festmachen: Hunde, welche die Belohnungsaufgabe kannten, überimitierten zwar nicht weniger als andere, aber zu einem späteren Zeitpunkt. … weiterlesen

Wie sich Bewusstsein bei Tieren erforschen lassen könnte

Mitteilung: Ruhr-Universität Bochum

Tierisches Bewusstsein sollte man sich nicht wie einen Lichtschalter vorstellen, der an oder aus sein kann, sagen Bochumer Philosophen. Sie plädieren für einen anderen Ansatz.

Es gibt Gründe davon auszugehen, dass nicht nur Menschen, sondern auch manche nichtmenschlichen Tierarten über bewusste Wahrnehmung verfügen. Welche Tierarten Bewusstsein haben und wie sich das subjektive Erleben verschiedener Arten unterscheiden könnte, untersuchen Prof. Dr. Albert Newen und der Doktorand Leonard Dung vom Institut für Philosophie II der Ruhr-Universität Bochum. Dafür charakterisieren sie Bewusstsein mit zehn verschiedenen Dimensionen und erarbeiten, welche Verhaltensweisen jeweils Hinweise für das Vorliegen einer dieser Bewusstseinsdimensionen darstellen. Sie beschreiben ihren Ansatz in der Fachzeitschrift „Cognition“, online veröffentlicht am 21. Februar 2023. … weiterlesen

Warum Vögel so schlau sind

Forschende der Ruhr-Universität erklären, warum das Hirn von Tauben, Papageien und Rabenvögeln trotz der großen Unterschiede zum Säuger-Gehirn ähnliche Leistungen erbringen kann.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts waren sich Forschende einig: Hohe Intelligenz braucht die hohe Rechenkapazität großer Gehirne. Zudem fand man heraus, dass die typische Hirnrinde der Säugetiere, der sogenannte Kortex, notwendig ist, um damit Informationen detailliert zu analysieren und zu verknüpfen. Vogelgehirne sind jedoch sehr klein und besitzen keine Struktur, die einem Kortex ähnelt. Dennoch konnten Wissenschaftler*innen zeigen, dass Papageien und Rabenvögel in die Zukunft planen, soziale Strategien schmieden, sich im Spiegel erkennen und Werkzeuge bauen. Sie sind somit Schimpansen ebenbürtig. Auch weniger begabte Vögel, wie zum Beispiel Tauben, lernen orthographische Regeln, mit denen sie Tippfehler in kurzen Worten erkennen oder Bilder nach Kategorien wie „Impressionismus“, „Wasser“ oder „von Menschen gemacht“ ordnen. Wie ist das möglich? Wie schaffen sie das mit so kleinen Gehirnen und ohne Kortex? Mit ihrem Beitrag in Trends in Cognitive Science kommen Prof. Dr. Onur Güntürkün, Dr. Roland Pusch und Prof. Dr. Jonas Rose der Lösung dieses über hundert Jahre alten Rätsels näher. … weiterlesen