Versuchstierzahlen: Trotz Rückgang keine Entwarnung

Bericht: Menschen für Tierrechte

Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) hat gestern die Versuchstierzahlen für das Vorjahr veröffentlicht (1). Im Jahr 2024 wurden danach über drei Mio. Tiere im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet. Dies entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Die sinkenden Zahlen entlassen die Bundesregierung jedoch nicht aus der Pflicht, die hohe Zahl der Tiere, die in Versuchen leiden und sterben, weiter zu reduzieren. Die dafür nötige Reduktionsstrategie liegt längst vor. Schwarz-Rot muss sie dringend umsetzen.

Von den insgesamt 3.037.828 Tieren, die im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet wurden, wurden 1.302.190 Tiere direkt in Tierversuchen eingesetzt. Hinzu kommen 626.538 Tötungen zur Entnahme von Geweben oder Organen und 1.109.100 Tiere, die als sogenannte Überschusstiere getötet wurden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies insgesamt einem Rückgang um rund 14 Prozent. … weiterlesen

Menschen für Tierrechte ernennt den Vogel als „Versuchstier des Jahres 2025“

Bericht: Menschen für Tierrechte e.V.

Seit 2003 ernennt Menschen für Tierrechte e.V. das „Versuchstier des Jahres“. In diesem Jahr ist es der Vogel. Mit der jährlichen Ernennung macht Menschen für Tierrechte die Versuche an bestimmten Tieren öffentlich und zeigt in diesem Zusammenhang das große Potenzial tierversuchsfreier Verfahren sowie deren Weiterentwicklung auf. Vögel als Versuchstiere werden oft übersehen, weil sie im Vergleich zu Mäusen, Fischen oder Ratten nicht so häufig in Versuchen eingesetzt werden. Dennoch müssen auch viele verschiedene Vogelarten in Tierversuchen leiden.

Unterstützung für das Versuchstier des Jahres kommt diesmal von der Schirmherrin Ingeborg Livaditis, eine Grande Dame der Tierversuchsgegner-Bewegung in Deutschland. Ingeborg Livaditis war 1982 Gründungsmitglied von Menschen für Tierrechte. Für ihr jahrzehntelanges unbeirrtes Engagement für den Tierschutz erhielt sie 2006 das Bundesverdienstkreuz.

Hinter dem „Versuchstier“ Vogel verbergen sich zahlreiche Vogelarten. Vögel werden sowohl in der Grundlagenforschung, in der angewandten/translationalen Forschung, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung als auch in Untersuchungen im Rahmen des Artenschutzes eingesetzt. … weiterlesen

Verhaltensforschung: Riechen Hunde menschliche Angst?

Bericht: Veterinärmedizinische Universität Wien

Hunde sind bekannt für ihre Fähigkeit, menschliche Emotionen zu spüren. Aber wie reagieren sie auf den Geruch von Angst? Eine soeben erschienene Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien beleuchtet diese Frage und zeigt, dass Hunde menschliche Angst-Chemosignale wahrnehmen und darauf individuell reagieren – was die bisherige Annahme eines einheitlichen Vermeidungsverhaltens in Frage stellt.

Die von Wissenschafter:innen des Domestication Lab des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni durchgeführte Studie untersuchte, wie Hunde in einer kontrollierten Umgebung auf menschliche Angstgerüche reagieren. An der Studie nahmen 61 Hunde teil, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die Versuchsgruppe wurde zwei Zielobjekten ausgesetzt, von denen eines mit menschlichem Angstschweiß und das andere mit einem neutralen menschlichen Geruch versehen war. Die Kontrollgruppe wurde hingegen zwei Zielobjekten mit neutralem menschlichem Geruch ausgesetzt.

Keine einheitliche Vermeidungsreaktion, sondern individuelles Verhalten
Hunde, die dem Angstgeruch ausgesetzt waren, zeigten Verhaltensweisen, die auf Unbehagen oder Zögern hindeuteten, bespielsweise verbrachten sie mehr Zeit in der Nähe des Versuchsleiters, senkten ihre Schwänze und brauchten länger, um sich den Zielen zu nähern. Das auffälligste Ergebnis war jedoch die Variabilität der individuellen Reaktionen. Während einige Hunde zögerten, sich dem Angstgeruch zu nähern, näherten sich andere ihm schneller als dem neutralen Geruch. Dies stellt die gängige Annahme in Frage, dass Hunde eine angeborene Tendenz haben, menschliche Angstgerüche zu vermeiden.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde von menschlichen Angstgerüchen beeinflusst werden, ihre Reaktionen jedoch alles andere als einheitlich sind“, sagt Studien-Erstautorin Svenja Capitain vom KLIVV der Vetmeduni. „Diese Variabilität könnte durch Faktoren wie Lebenserfahrung, Training oder sogar Rasse beeinflusst werden, allerdings sind weitere Untersuchungen erforderlich, um diese Einflüsse zu bestätigen.“ Interessanterweise fand die Studie keine signifikanten Auswirkungen von Alter oder Geschlecht auf die Reaktionen der Hunde, was mit früheren Untersuchungen übereinstimmt.

Wichtige Erkenntnisse für Therapiehunde, menschliche Interaktion und die Ausbildung von Hunden
Die Ergebnisse der Studie könnten praktische Auswirkungen auf die Hundeausbildung, die Auswahl von Therapiehunden und die Verbesserung der Interaktion zwischen Mensch und Hund haben. Das Verständnis, warum manche Hunde sich Angstgerüchen nähern, während andere sie meiden, könnte dazu beitragen, das Wohlbefinden von Hunden zu verbessern, Stress zu reduzieren und sogar potenzielle Sicherheitsprobleme zu vermeiden, wie z. B. aggressive Reaktionen auf ängstliche Personen.

„Unsere Forschungsarbeit unterstreicht, wie wichtig es ist, individuelle Unterschiede im Verhalten von Hunden zu betrachten“, betont Svenja Capitain. „Indem wir uns von der Annahme der Gleichförmigkeit lösen, können wir unsere vierbeinigen Begleiter besser verstehen und dabei unterstützen, sich in der Welt der Menschen zurechtzufinden.“ Die Forscherinnen hoffen, dass zukünftige Studien die Rolle von Lebenserfahrungen, Training und Rasse bei der Prägung der Reaktionen von Hunden auf menschliche Angst-Chemosignale untersuchen werden. Sie schlagen außerdem vor, der Frage nachzugehen, wie Umweltfaktoren – beispielsweise vertraute gegenüber unbekannten Orten – diese Reaktionen beeinflussen könnten.


18.9.2025
Veterinärmedizinische Universität Wien
www.vetmeduni.ac.at

 

 

Tierversuche an muskelkranken Hunden beenden – helfen Sie!

PETA verbreitet erneut eine Petition gegen die Versuche an muskelkranken Hunden!

Im Erklärungstext der Petition heißt es:

„In der Nationalen Tiermedizinischen Hochschule Alfort in Frankreich werden Hunden gezielt lähmende Muskelerkrankungen angezüchtet, um an den Tieren zu experimentieren. Die Hunde können nur unter großer Anstrengung gehen, schlucken und atmen. Dies zeigten schockierende Aufnahmen der französischen Tierschutzorganisation Animal Testing aus dem Jahr 2016.

Die Tierversuche an den Hunden werden von der französischen Hilfsorganisation AFM-Téléthon finanziert. Laut einem Mitarbeiter könne das Labor diese Finanzierung verlieren, würde die Öffentlichkeit Kenntnis über die wahren Zustände erlangen, unter denen die Tiere leiden. Helfen Sie den Hunden, indem Sie AFM-Téléthon auffordern, die grausamen Versuche nicht länger zu unterstützen!“

 ⇒ zur Petitionsseite
(Eine deutsche Übersetzung des Anschreibens kann am Ende der Seite gfelesen werden.)

 

Wie Fliegen schlafen – und trotzdem fliehen können

Charité-Studie in Nature deckt grundlegende Vorgänge im Fliegengehirn auf

Bericht: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Auch Fliegen müssen schlafen. Um trotzdem auf Gefahren reagieren zu können, dürfen sie die Umwelt währenddessen aber nicht komplett ausblenden. Wie das Gehirn der Tiere diesen Zustand herstellt, haben Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt entschlüsselt. Wie sie im Fachblatt Nature* beschreiben, filtert das Fliegengehirn im Schlaf visuelle Informationen rhythmisch heraus – sodass starke Seh-Reize das Tier dennoch aufwecken könnten.

Ruhephasen und Schlaf sind lebenswichtig – für vermutlich alle Tiere. „Schlaf dient der körperlichen Regeneration, beim Menschen und auch bei vielen Tieren ist er außerdem für die Gedächtnisbildung elementar“, erklärt Prof. David Owald, Wissenschaftler am Institut für Neurophysiologie der Charité und Leiter der jetzt veröffentlichten Studie. Unklar war bisher, wie ein Organismus seine Reaktion auf Reize ausreichend herunterfährt, um sich regenerieren zu können, aber dennoch aufmerksam genug bleibt, um auf Gefahren von außen zu reagieren.

Ein Team um David Owald ist dieser Frage nun am Beispiel von Taufliegen nachgegangen. Landläufig auch als Fruchtfliegen bekannt, eignen sich die zweieinhalb Millimeter großen Insekten aufgrund ihres kleinen Gehirns sehr gut für die Untersuchung neurologischer Prozesse. „Wir haben herausgefunden, dass das Gehirn der Fliegen im Schlaf aktivierende und hemmende Netzwerke fein aufeinander abstimmt“, sagt David Owald. „Dadurch entsteht ein Filter, der Seh-Reize effektiv unterdrückt, wohl aber besonders starke Reize durchlassen kann. Der Zustand ist vergleichbar mit einem angelehnten Fenster: Der Luftzug, also die Reizweiterleitung, ist unterbrochen, aber ein starker Windstoß kann das Fenster aufstoßen, ein kräftiger Reiz also das Tier aufwecken.“

Forschung an Taufliegen an der Charité Quelle: 2470.media Copyright: © NeuroCure | 2470.media

Ein hemmendes neuronales Netzwerk überlagert das aktivierende
Der Studie zufolge werden die Fliegen abends, nach einer langen Wachperiode und dem Takt der Inneren Uhr folgend, müde: Es entstehen langsame, synchrone elektrische Wellen – sogenannte Slow Waves – in zwei verschiedenen Hirnnetzwerken, die Seh-Reize mit Orientierungsbewegungen verbinden. Eines aktiviert, das andere hemmt die Reaktion auf visuelle Stimuli. „Wenn beide Netzwerke gleichzeitig aktiv sind, gewinnt das hemmende Netzwerk und die Verarbeitung der Reize wird blockiert“, erläutert Dr. Davide Raccuglia, Erstautor der Studie vom Institut für Neurophysiologie der Charité. „Die Fliege blendet ihre Umgebung also sanft aus und kann einschlafen.“

Um aufgeweckt werden zu können, muss sich dieser Schlaffilter jedoch durchbrechen lassen. „Wir glauben, dass das durch die rhythmischen Schwankungen der elektrischen Wellen ermöglicht wird“, sagt Davide Raccuglia. Denn die Slow Waves sind darauf zurückzuführen, dass die elektrische Spannung der Nervenzellen einmal pro Sekunde auf- und abschwingt. „Möglicherweise entsteht, wenn die Spannung hoch ist, ein kurzer Zeitraum, währenddessen Informationen durch den Schlaffilter durchgelassen werden können“, ergänzt Dr. Raquel Suaréz-Grimalt, ebenfalls Erstautorin der Studie. Sie hat die Arbeit am Institut für Neurophysiologie der Charité durchgeführt und ist nun an der Freien Universität Berlin tätig. „In diesem Zeitraum könnten starke Seh-Reize die feine Dominanz des hemmenden Hirnnetzwerks überwinden, also gewissermaßen das Fenster aufstoßen, sodass die Fliege reagiert.“

Wie die Fliege so der Mensch?
Nach dem Verständnis der Forschenden erschaffen die Slow Waves also Fenster, durch die intensive Reize eine schlafende Fliege aufwecken könnten. Auch beim Menschen ist der Schlaf durch Slow Waves charakterisiert. Könnte unser Gehirn Ruhephasen und Aufmerksamkeit nach demselben Prinzip austarieren? „Beim Menschen kennen wir eine Struktur im Gehirn, die Reizinformationen filtert und als rhythmischer Taktgeber fungiert – das ist der Thalamus“, sagt David Owald. „Hier könnte es also Parallelen zu den Vorgängen im Fliegengehirn geben, vielleicht spiegeln diese also tatsächlich ein universelles Prinzip des Schlafs wider. Das muss allerdings noch weiter untersucht werden.“

Über die Studie
Die Studie wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC). Sie ist im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure sowie des Einstein-Zentrums für Neurowissenschaften und in Kooperation mit Forschenden der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden.
*Raccuglia D, Suárez-Grimalt R et al. Network synchrony creates neural filters promoting quiescence in Drosophila. Nature 2025 Aug 20. doi: 10.1038/s41586-025-09376-2

Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41586-025-09376-2


20.8.2025
Manuela Zingl
GB Unternehmenskommunikation
Charité – Universitätsmedizin Berlin
www.charite.de

 

 

 

 

Klimaanpassung für den Stall der Zukunft

Neues „Zentrum für zukunftsfähige Tierhaltung“ an der TU Bergakademie Freiberg gegründet

Am 11. Juli 2025 hat sich an der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF) der Verein Zentrum für zukunftsfähige Tierhaltung gegründet. Unter der Federführung der Freiberger Universität haben sich Forschende, Privatpersonen und Angehörige der Wirtschaft zusammengeschlossen, um einen Innovationspool für den tierfreundlichen und nachhaltigen Stall der Zukunft voranzutreiben. Zunächst wird das Bündnis als eingetragener Verein starten.

Auch in diesem Sommer rollen wieder Hitzewellen über Europa und machen vor Nutztieren nicht Halt. In den Ställen steigen die Temperaturen ins Unerträgliche, denn Kühe leiden bereits bei Temperatur über 15 Grad Celsius an Hitzestress. Forschenden und Landwirtinnen und Landwirten ist in Zeiten des Klimawandels klar, dass sich die Ställe in Zukunft ändern müssen, um insbesondere Rindern bessere klimatische Bedingungen zu bieten. Der Stall der Zukunft – hier setzt das Zentrum für zukunftsfähige Tierhaltung an. … weiterlesen

Fuchsbandwurm: Wiederentdeckung eines verschollen geglaubten Parasiten

Bericht: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Der Fuchsbandwurm gilt seit Jahrzehnten als gut beschrieben und bekannt. Dennoch fehlte bislang eine genetisch abgesicherte Referenz des humanmedizinisch relevanten Parasiten, da das ursprüngliche Typusmaterial als verschollen galt. Überraschend wurde dieses historische Material in den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden wiederentdeckt. In einer neu veröffentlichten Studie ordnen die Forschenden mit moderner Genomsequenzierung den Fuchsbandwurm ein und klären seine Verwandtschaft mit anderen Bandwurmarten. Die Wiederentdeckung veranschaulicht, welche wichtige Rolle wissenschaftliche Sammlungen haben und wie diese eine Grundlage für verlässliche Diagnostik und Forschung schaffen. … weiterlesen