Fortschritt: Australien und England wollen hochbelastende Tierversuche verbieten

Menschen für Tierrechte fordert die Bundesregierung auf, die leidvollen und zweifelhaften Tests auch in Deutschland zu beenden

Die australische Regierung hat sich vor Kurzem dafür ausgesprochen, schwerbelastende Schwimmversuche sowie Rauchinhalationsversuche an Nagetieren zu verbieten. Die Entscheidung ist wegweisend für die weltweite Forschung. Die britische Regierung hat jetzt angekündigt, den Schwimmzwangstest ebenfalls zu untersagen. Menschen für Tierrechte fordert die Bundesregierung auf, diesem guten Beispiel zu folgen und die leidvollen und hochbelastenden Tierversuche auch in Deutschland zu beenden.

Vor Kurzem hat das Oberhaus in Australien über einen Gesetzentwurf zur Änderung des „Animal Research Acts“ entschieden. Der Antrag der australischen Abgeordneten, Emma Hurst, zielt darauf ab, schwer belastende Schwimmversuche sowie Rauchinhalationsversuche an Nagetieren zu verbieten. Nach Auskunft ihres Abgeordnetenbüros ist Hurst zuversichtlich, dass das Verbot in Kürze in Kraft treten wird. Diesem Beispiel folgt jetzt auch Großbritannien: Das britische Innenministerium kündigte letzte Woche an, die Verwendung des Schwimmzwangstest einzuschränken mit dem Ziel, ihn vollständig zu verbieten.

Umstrittene Tests sind in Deutschland erlaubt
Der umstrittene „Forced Swim Test“ (FST), der aus den 1970er Jahren stammt, soll z.B. helfen, die Wirksamkeit von Antidepressiva zu beurteilen. Dazu werden Mäuse oder Ratten in einen Behälter mit Wasser gesetzt, aus dem sie nicht entkommen können. Damit soll deren psychische Reaktion auf die Gefahr des Ertrinkens untersucht werden. In Deutschland sind derartige Tests noch immer erlaubt: In dem Zeitraum zwischen 2017 und 2023 wurden allein 21 Anträge mit knapp 15.500 Ratten und Mäusen bewilligt.

Bundesregierung sollte dem guten Beispiel folgen
„Diese Schwimmversuche sind schwer belastend. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen außerdem, dass die Aussagekraft des über 40 Jahre alten Tests höchst fragwürdig ist. Die geplanten Verbote in Australien und Großbritannien sind deswegen folgerichtig. Wir appellieren an die Bundesregierung, diesem guten Beispiel zu folgen. Ein Verbot des grausamen und umstrittenen Versuchs wäre ein perfekter Startschuss für die Einführung der lange versprochene Reduktionsstrategie in Deutschland“, sagt Dr. Christiane Hohensee, Leiterin der Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs.

Schwimmtest wissenschaftlich fragwürdig
Neuere Untersuchungen stellen die Zuverlässigkeit des FST in Frage. Es wurden Unterschiede in der Zuverlässigkeit der Aussagekraft des Tests bei verschiedenen Arzneimittelklassen festgestellt und auch seine Genauigkeit als Screening-Instrument für Antidepressiva ist fraglich. Von 109 getesteten Wirkstoffen wurden nur 28 Prozent weiterverfolgt. Es ist umstritten, ob die Unbeweglichkeit der Tiere im Wasser mit „Aufgeben“ oder „Verzweiflung“ gleichgesetzt werden kann. Die verstärkende Wirkung durch eine dauerhafte Gabe eines Arzneimittels ist bei diesem Test nicht darstellbar. Zudem kommt es aufgrund der Aversion, die Versuchstiere gegen den Test entwickeln, zu verzerrten Versuchsergebnissen.

Test darf nicht mehr als Depressions-Modell dienen
Das geplante Gesetz hat bereits jetzt Auswirkungen auf die Forschung in australischen Einrichtungen. Die Verwendung des Tests wurde an mehreren Universitäten verboten. Auch die großen Pharmaunternehmen wie Bayer, Johnson and Johnson, Pfizer und AstraZeneca, führen ihn nicht mehr durch. Dem Gesetz vorausgegangen war eine parlamentarische Untersuchung über die Verwendung von Primaten und anderen Tieren in der medizinischen Forschung in New South Wales. Sie endete mit der Herausgabe von Leitlinien, nach denen der Test nicht mehr als „akutes Modell für Depressionen“ zugelassen werden soll und nur noch unter bestimmten Umständen für andere Zwecke genehmigt werden kann. Im Dezember 2023 kündigte der wichtigste staatliche Geldgeber für die tierexperimentelle Forschung in Australien an, dass er den Test nicht mehr finanzieren werde. Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen kämpfen seit Jahren für ein Verbot der qualvollen Tests.


12.3.2024 
Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
www.tierrechte.de

 

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