Mein Revier! Städtische Wildtiere leben lieber getrennt voneinander

Bericht: Vetmeduni Wien

Igel – Bild von Alexa auf Pixabay

Igel und Dachs zählen zu den in Österreich heimischen Wildtierarten, die auch in Städten präsent sind. Damit enden aber die Gemeinsamkeiten: Auf kleinem Raum gehen sie einander lieber aus dem Weg und besiedeln unterschiedliche Lebensräume. Das ist die zentrale Erkenntnis einer von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) geleiteten Studie unter Beteiligung des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Genutzt wurden die Beobachtungen von Privatpersonen, welche diese im Rahmen von zwei Citizen-Science-Projekten mit den Wissenschafter:innen teilten.

Einige Wildtierarten passen sich erfolgreich an städtische Umgebungen an. Zu diesen Kulturfolgern zählen beispielsweise Säugetiere wie Eichhörnchen, Füchse, Marder, Igel und Dachse. Um potenzielle Konflikte dieser Arten mit Menschen oder deren Haustieren zu vermeiden, ist laut den Forscher:innen ein besseres Verständnis der Präsenz von Wildtieren in Städten erforderlich.

Dachs – Bild von Dirk (Beeki®) Schumacher auf Pixabay

Citizen Science – sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt
Für ihr Forschungsprojekt analysierte das Wissenschaftsteam Berichte über Europäische Igel (Erinaceus europaeus und E. roumanicus) und Dachse (Meles meles). Diese Daten wurden durch zwei langfristige Citizen-Science-Projekte (stadtwildtiere.at und roadkill.at) bereitgestellt, um Lebensraumpräferenzen und potenzielle ökologische Interaktionen zu bewerten. Wer mitforschen möchte, findet zu den Projekten über die Onlineplattform citizen-science.at, im Rahmen der Initiative „Österreich forscht“, Zugang.

Marder – Bild von Th G auf Pixabay

Wien zählt rund zwei Millionen Einwohner:innen auf einer Fläche von 415 Quadratkilometern – rund 50 % davon sind Grünflächen in Form von Wäldern, Parks und privaten Gärten. Zwischen 2012 und 2023 wurden hier insgesamt 356 Igel- und 918 Dachs-Sichtungen gemeldet. Dazu Studien-Co-Autor Richard Zink vom KLIVV der Vetmeduni: „Diese Sichtungen von Bürgerinnen und Bürgern sind wichtig, weil herkömmliche Überwachungsmethoden im Stadtgebiet oft nicht ausreichen. Der Grund ist die große Zahl an Privatgrundstücken, die großteils nicht zugänglich sind.“

Dachse und Igel leben gerne in Siedlungslagen …
Sichtungen beider Arten korrelierten signifikant mit einer Mischung aus versiegelten bzw. bebauten Flächen und Grünflächen mit Wiesen und Sträuchern. Allerdings standen Sichtungen beider Arten in einem negativen Zusammenhang mit Ackerland. Dafür kann es laut Richard Zink mehrere Gründe geben: „Die weniger häufige Sichtung auf Ackerland ist höchstwahrscheinlich auf die Meidung von offenem Gelände oder die geringere Verfügbarkeit von Nahrung zurückzuführen. Die Ursache kann allerdings einfach auch darin liegen, dass die beiden nachtaktiven Arten auf dunklem Ackerland schwieriger zu erkennen sind und von dort seltener gemeldet werden.“

… und gehen sich sonst lieber aus dem Weg
Je steiler die Hanglage eines Lebensraums war, desto weniger Igel wurden gemeldet, während bei Dachsen in Gebieten mit einer Bebauungsdichte von über 15 % eine positive Korrelation zwischen Hanglage und Meldungen beobachtet wurde. Ein Miteinander der beiden Tierarten am selben Ort ist allerdings selten, wie Richard Zink betont: „Wir hatten kaum Igelmeldungen in Gebieten, in denen von Dachs-Sichtungen berichtet wurde.“ Laut Zink war die Bürgerwissenschaft von großem Nutzen: „Unsere Studie zeigt, dass Citizen-Science-Projekte eine gute Datenquelle sein können, um die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Wildtier besser zu verstehen. Die vorliegende Studie könnte deshalb als Modell für andere städtische Gebiete und Arten dienen.“


20.20.2025
Text: Veterinärmedizinische Universität Wien
www.vetmeduni.ac.at

 

Appell an Landwirtschaftsminister Rainer: Mehr als 350 Tierärzte fordern Ende der tierquälerischen Anbindehaltung

Im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche in Berlin haben mehr als 350 Tierärzt:innen ein rasches und verbindliches Ende der tierquälerischen Anbindehaltung bei Rindern und Milchkühen gefordert. Die Praxis beschneide massiv die Bewegungsfreiheit der Tiere und führe nachweislich zu physischen und psychischen Belastungen, heißt es in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Die Anbindehaltung sei „aus tierärztlicher Sicht nicht vertretbar“. … weiterlesen

Ernährung von Honigbienen: Studie mit überraschenden Ergebnissen

Bericht: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Spätsommer in Unterfranken: Es gibt kaum noch blühende Pflanzen, das Futter für Honigbienen wird knapp. Forschende vom Biozentrum haben untersucht, wie die Bienen damit klarkommen.

Pflanzen produzieren in ihren Blüten massenhaft nährstoffreiche Pollen – wahre Kraftpakete für viele Insekten, auch für Honigbienen: Sie mischen die protein- und fettreichen Pollen in das Futter, mit dem sie ihre Larven großziehen. Jüngere Bienen fressen die Pollen auch selbst, um sich zu stärken.
Für Honigbienen sind die pflanzlichen Energielieferanten enorm wichtig: Ein Mangel an Pollen kann ihre Entwicklung verzögern, sie anfälliger für Krankheitserreger und empfindlicher für Pestizide machen. Wissenschaftliche Studien zeigen außerdem: Je vielfältiger die Pollenmischung im Futter, desto besser ist das für die Gesundheit und den Überwinterungserfolg der Bienenvölker. … weiter


Quelle: www.uni-wuerzburg.de
Bild von Annette Meyer auf Pixabay

 

 

Versuchstierzahlen: Trotz Rückgang keine Entwarnung

Bericht: Menschen für Tierrechte

Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) hat gestern die Versuchstierzahlen für das Vorjahr veröffentlicht (1). Im Jahr 2024 wurden danach über drei Mio. Tiere im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet. Dies entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Die sinkenden Zahlen entlassen die Bundesregierung jedoch nicht aus der Pflicht, die hohe Zahl der Tiere, die in Versuchen leiden und sterben, weiter zu reduzieren. Die dafür nötige Reduktionsstrategie liegt längst vor. Schwarz-Rot muss sie dringend umsetzen.

Von den insgesamt 3.037.828 Tieren, die im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet wurden, wurden 1.302.190 Tiere direkt in Tierversuchen eingesetzt. Hinzu kommen 626.538 Tötungen zur Entnahme von Geweben oder Organen und 1.109.100 Tiere, die als sogenannte Überschusstiere getötet wurden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies insgesamt einem Rückgang um rund 14 Prozent. … weiterlesen

„Wieder ein Todestransport auf dem Mittelmeer“

Am 9.12.2025 veröffentlichte Daniela Gschweng im Schweizer Magazin „Infosperber“ einen sehr belastenden Bericht über einen katastrophalen Viehtransport. Im Vorspann heißt es dazu :

„Qualvolle Zustände auf einem Viehtransportschiff kosteten im November vielen Rindern das Leben. Weil sich niemand zuständig fühlte.“

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Aufpreis adé: Pflanzlicher Warenkorb günstiger als tierisches Pendant

Händler bieten im Schnitt 5 % Preisvorteil, Alternativprodukte setzen Preisstandard

Studie: ProVeg

Bei sieben von acht der umsatzstärksten Lebensmitteleinzelhändler bietet ein pflanzlicher Warenkorb Verbrauchern inzwischen einen Preisvorteil, so das Ergebnis der ProVeg-Preisstudie 2025. Je nach Händler können Konsumenten gegenüber dem tierischen Warenkorb bis zu 18 Prozent sparen, wenn sie nach den je günstigsten Produkten greifen. „Innerhalb von drei Jahren hat sich das Preisverhältnis beim pflanzlichen Einkauf umgedreht: Aus 52 Prozent Aufpreis ist ein Preisvorteil von 5 Prozent geworden“, erläutert ProVeg-Marktexpertin Virginia Cecchini Kuskow. … weiterlesen

Gemeinsam klüger: Große Fischschwärme treffen bessere Entscheidungen

Freilebende Fischgruppen erkennen Gefahren schneller und reagieren treffsicherer, je größer sie sind

Bericht: Humboldt-Universität zu Berlin

Wenn ein Raubvogel angreift, zählt für Fische jede Sekunde: abtauchen oder bleiben? Eine falsche Entscheidung kann tödlich enden – entweder, weil sie zu spät kommt oder weil eine Bedrohung fälschlich als harmloses Geräusch gewertet wird. Eine Studie von Forschenden des Exzellenzclusters „Science of Intelligence“ (SCIoI) sowie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigt nun, dass größere Fischschwärme solche Entscheidungen nicht nur schneller, sondern dass sie auch bessere Entscheidungen treffen können. Die Ergebnisse, die soeben in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances erschienen sind, liefern den bislang ersten unter natürlichen Bedingungen erbrachten Nachweis, dass große Tiergruppen zwei klassische Zielkonflikte überwinden können: echte Gefahren erkennen, ohne auf jede Störung zu reagieren und schnelle Entscheidungen treffen, ohne dabei an Genauigkeit zu verlieren. … weiterlesen