Vernichtendes Klimazeugnis: EU-Landwirtschaft muss Emissionen reduzieren

Bericht:  Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Der Europäische Rechnungshof hat gestern einen Sonderbericht zur „Gemeinsamen Agrarpolitik und dem Klimaschutz“ vorgelegt. Darin stellen die PrüferInnen fest, dass die milliardenschweren Agrarsubventionen die EU-Landwirtschaft nicht klimafreundlicher gemacht haben – im Gegenteil. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert bei den Verhandlungen über die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP), endlich die richtigen Weichen für eine Ökologisierung der Landwirtschaft zu stellen. Dazu hat der Tierrechtsverband zehn Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende vorgelegt.

Der CO2-Ausstoß im Agrarsektor ist seit 2010 nicht gesunken – obwohl die EU zwischen 2014 und 2020 mehr als 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz ausgegeben hat, so das Ergebnis der Prüfung. Die drei Hauptquellen für Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft seien die Tierhaltung, der Einsatz chemischer Dünger sowie die Nutzung von Acker- und Grünflächen, wie die Bewirtschaftung entwässerter Torfflächen. Allein die Tierhaltung mache nach Angaben der Prüfer die Hälfte der Emissionen aus, inklusive der Produktion und Einfuhr von Tierfutter sei es noch mehr.

Nötig: Reduzierung der Tierbestände und des Konsums tierischer Produkte
Dennoch setze die EU keine Anreize dafür, die Tierbestände zu reduzieren. Sie fördere im Gegenteil sogar noch den Absatz tierischer Erzeugnisse. Der Rechnungshof empfiehlt, bei der GAP mehr Gewicht auf die Verringerung landwirtschaftlicher Emissionen zu legen. „Der EU- Rechnungshof hat den Agrarsubventionen ein vernichtendes Klimazeugnis ausgestellt. Dabei ist bekannt, dass die industrielle Tierhaltung und die konventionelle Landwirtschaft den Klimawandel befeuern. Doch um wirksame Maßnahmen, wie eine deutliche Abstockung der Tierbestände und eine Reduzierung des Konsums tierischer Produkte, drückt sich die Politik immer noch herum! “, kritisiert Christina Ledermann, Vorsitzende vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Direktzahlungen begünstigen industrielle Tierhaltung
Derzeit werden im Rahmen der Verhandlungen über die GAP die Weichen für die Landwirtschaft der nächsten Jahre gestellt. Die GAP regelt die Strategie und Förderung der europäischen Landwirtschaft für die Jahre 2023 bis 2027. Für die notwendige Transformation der Landwirtschaft ist die GAP der zentrale Schlüssel, denn das Agrarbudget ist der größte Einzelposten des EU-Haushalts und damit ein zentrales Lenkungsinstrument. Bis 2027 werden etwa 400 Milliarden aus Steuermitteln an die EU-Landwirte ausgeschüttet. Bisher flossen fast drei Viertel der Mittel über die erste Säule in Direktzahlungen. Sie wurden pauschal nach der Fläche ausgeschüttet und begünstigten so einseitig die industrielle Tierhaltung. Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission, hat vor wenigen Tagen vorgeschlagen, die Ziele des Europäischen Green Deals verbindlich in der neuen GAP zu verankern.

Ökologisierung: Klöckner muss Blockade aufgeben
„Es ist ein Unding, dass CDU-Agrarministerin Klöckner weiter jede Verbesserung in Richtung Natur- und Tierschutz bei den GAP-Verhandlungen blockiert. Die Initiative von Timmermans würde die bisher für den Tier- und Umweltschutz völlig unbefriedigende GAP zumindest mit den guten Zielen des Green Deals koppeln. Die horrend hohen EU-Agrarsubventionen müssen dringend im Sinne einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ökologisiert werden. Die Gelder dürfen nur noch an LandwirtInnen fließen, die tier- sowie arten- und klimafreundlich wirtschaften. Dazu muss deutlich mehr Geld in den Ausbau des Ökolandbaus sowie in Umwelt- und Klimaprogramme fließen“, fordert Christina Ledermann.

Bundestagswahl: Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende
Im Vorfeld der Bundestagswahl hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte zehn Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende vorgestellt. Um das kurze Zeitfenster zu nutzen, das der Menschheit noch bleibt, um die globalen Herausforderungen zu bewältigen, fordert der Tierrechtsverband eine umfassende Ernährungsstrategie für tier- und klimafreundliche Ernährungsformen. Ziel muss nach Ansicht des Verbandes eine pflanzenbasierte Ernährung sein. Weitere Forderungen betreffen die Ökologisierung der Landwirtschaft, die Reduzierung der Tierbestände und Ausstiegsförderungen für Landwirte, die ihre Tierhaltung beenden wollen.

Die zehn Forderungen in Kürze

1. Strategie für tier- und klimafreundliche Ernährungsformen
2. Tierbestände drastisch reduzieren
3. Weg von der Tierhaltung: Umstiegswillige LandwirtInnen fördern
4. Forschungsförderung für tierlose Anbausysteme
5. Tierschutzrecht, Vollzug und Gerichtsbarkeit stärken
6. Agrarsubventionen ökologisieren
7. Schädliche Subventionen beenden
8. Ökosysteme renaturieren und pflegen
9. Schluss mit der Exportorientierung
10. Regionaler Anbau statt Soja-Importe

Download der 10-seitigen Broschüre Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende als PDF


22.6.2021
Christina Ledermann
Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
www.tierrechte.de

 

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