Überflüssige Affenstudien zu Corona-Impfstoffen

In den USA wollen Primatenforscher Hunderte Affen opfern

Bericht: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Primatenforscher in den USA haben sich zusammengeschlossen, um ein fragwürdiges Projekt ins Leben zu rufen. Sie wollen potenzielle Impfstoffe gegen COVID-19, die aktuell bereits am Menschen getestet werden, nun auch in einer groß angelegten Vergleichsstudie mit Affen untersuchen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert dieses Vorhaben, bei dem mehrere Hundert Affen leidvollen Versuchen ausgesetzt würden.

Zehn der vielversprechendsten COVID-19-Impfstoffkandidaten, die bereits in groß angelegten Humanstudien getestet werden, wollen US-amerikanische Primatenforscher nun auch parallel dazu in Affenstudien untersuchen. Die Forscher argumentieren, dass über die Humanstudien die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe nicht ausreichend beurteilt werden könne. Affenstudien seien nötig, um Wirkweise und Nebenwirkungen besser beurteilen zu können.

„Es ist selbstverständlich, dass es kein besseres Forschungsmodell für den Menschen gibt, als den Menschen selbst. Nicht ohne Grund sind bei der Medikamentenentwicklung die klinischen Testungen an menschlichen Probanden die letzte Phase vor der Zulassung“, sagt Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftskoordinatorin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Die Argumentation der Primatenforscher, Daten aus Humanstudien zu COVID-19-Impfstoffen seien nun nicht zuverlässig genug und müssten durch Affenstudien ergänzt oder bestätigt werden, ist daher nicht nachvollziehbar. Die Vermutung liegt nahe, dass hier eigenes Forschungsinteresse und die Akquise von Forschungsgeldern im Vordergrund stehen.“

Geleitet wird das Vorhaben vom nationalen Primatenforschungszentrum in Oregon, beteiligt sind 6 weitere US-Primatenzentren. Die Forscher beantragten für ihr Vorhaben stolze 10 Millionen Dollar von der US-Regierung, die allerdings abgelehnt wurden. Hochrangige US-Wissenschaftler äußern sich kritisch zu dem umstrittenen Vorhaben, so auch Moncef Slaoui, der leitende wissenschaftliche Berater des 10 Milliarden Dollar schweren US-Forschungsprogramms Warp Speed zur Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs. Er leitete 30 Jahre lang die Abteilung für Impfstoffentwicklung bei dem Pharmariesen GlaxoSmithKline. Slaoui glaubt nicht, dass die geplante Affenstudie einen Mehrwert generiert. „Wenn bereits klinische Phase III-Studien mit Tausenden menschlichen Probanden laufen, sind diese Ergebnisse 100 Mal aussagekräftiger als Daten aus Primatenstudien“, gibt er zu bedenken.

Das Affenforscher-Konsortium versucht nun, die Forschungsgelder beim NIH (National Institutes of Health) zu beantragen. Auch hier gibt es aber bereits kritische Äußerungen seitens der Entscheidungsträger, so z. B. von Anthony Fauci, dem Leiter des NIAID (National Institute of Allergy and Infectious Diseases), der darauf hinweist, dass bei der Impfstoffentwicklung Daten aus Tierversuchen grundsätzlich schlecht auf den Menschen übertragbar seien.

Ärzte gegen Tierversuche hofft, dass alle potenziellen Geldgeber dem ethisch und wissenschaftlich fragwürdigen Projekt ebenfalls eine Absage erteilen.

Quelle:
Cohen J. A call to test new vaccines head to head, in monkeys. Science 2020; 370: 154-155


21.10.2020
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
www.aerzte-gegen-tierversuche.de

 

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