Nürnberger Tiergarten will Löwe Subali wegen Unfruchtbarkeit töten

PETA übt scharfe Kritik und fordert Zoodirektion auf, Tötungspläne zu verwerfen

Nürnberg / Stuttgart, 30. Oktober 2020 – Der Nürnberger Tiergarten zieht in Erwägung, den Löwen Subali zu töten oder an einen anderen Zoo zu geben, weil er bislang nicht für Nachwuchs gesorgt hat und möglicherweise unfruchtbar ist. PETA kritisiert diese Überlegungen scharf und mahnt, dass diese Denkweise der Logik des Speziesismus folgt, der Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit und ihres Nutzens für den Menschen diskriminiert. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass Zoos mit ihren Zuchtbemühungen vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgen, um neue Tierbabys als Besuchermagnete zu missbrauchen. Einen Löwen zu töten, nur weil er unfruchtbar ist, ist PETAs Ansicht nach nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Verantwortliche des Magdeburger Zoos, darunter Zoodirektor Perret, wurden nach einer Anzeige der Organisation rechtskräftig verurteilt, weil sie drei Tigerbabys getötet hatten, nur weil sie nicht reinrassig waren. Sollte der Nürnberger Tiergarten den Löwen töten, wird PETA auch diesen Fall anzeigen. Die Organisation fordert Zoodirektor Dag Encke auf, die Tötungspläne zu verwerfen und die Löwenzucht dauerhaft einzustellen.

„Der Tiergarten Nürnberg ist schon lange dafür bekannt, Tiere zu töten oder abzuschieben, wenn eine neue ‚Attraktion‘ her soll. Es passt nicht zusammen, mit angeblichem Artenschutz zu argumentieren und im gleichen Atemzug das Töten eines Tieres zu planen. Ein Lebewesen – ganz gleich, ob Mensch oder Tier – ist nicht weniger wert, nur weil es unfruchtbar ist“, so Nadja Michler, Fachreferentin bei PETA.
 
Lebewesen gezüchtet, vermarktet und anschließend als „Überschuss“ getötet
Zoologische Einrichtungen zwingen Tiere aus Profitgründen immer wieder zur Fortpflanzung, doch nicht wenige der Babys werden später als „Überschusstiere“ getötet. Auch der Tiergarten Nürnberg hat immer wieder gesunde Tiere getötet, zwischen 2013 und 2015 bis zu 60 Tiere pro Jahr. 2017 und 2018 waren darunter sogar insgesamt acht vom Aussterben bedrohte Mendesantilopen und weitere Tiere, die gefährdeten Arten angehören, beispielsweise sechs Prinz-Alfred-Hirsche, fünf Mähnenspringer und ein Takin. [1, 2] Derartige „Überschusstötungen“ – teils auch aus Platzmangel – sind gängige Praxis in Zoos.
 
Artenschutz als vorgeschobenes Argument ist Augenwischerei
Da kein noch so großes oder optisch ansprechendes Zoogehege auch nur annähernd dem natürlichen Lebensraum der Tiere entspricht, werden viele von ihnen krank, entwickeln Verhaltensstörungen oder sterben weitaus früher als ihre Artgenossen in freier Natur. Insbesondere bei bedrohten Tiergruppen wie Menschenaffen, Bären oder Großkatzen können Zoos zudem so gut wie keine langfristig erfolgreichen Auswilderungen vorweisen – die Tiere können Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen. Wie gering der Beitrag von Zoos zum Artenschutz  ist, zeigt auch der Vergleich der Spendenabgaben an Projekte vor Ort (in-situ-Artenschutzprojekte) und dem in zoologischen Einrichtungen betriebenen Aufwand, um einige wenige Tiere in Gefangenschaft für zahlendes Publikum auszustellen: Während meist Millionen Steuergelder in Zuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte der Zoos fließen, sind die Spenden an Organisationen, die in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten echten Artenschutz betreiben, verschwindend gering. PETA fordert, dass die Millionen an Steuergeldern, die derzeit für die Aufrechterhaltung der Zoobetriebe aufgebracht werden, stattdessen in konkrete Projekte zum Schutz der letzten natürlichen Lebensräume der Tiere fließen.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft. 
 
[1] https://tiergarten.nuernberg.de/fileadmin/bilder/Zoowissen/Hintergrundinfo/TGN_JB_2018_web.pdf.
[2] https://tiergarten.nuernberg.de/fileadmin/dokumente/Zoowissen/Jahresbericht_2017_final.pdf.


30.10.2020
PETA e.V.
www.peta.de
Bild von Beth Cullen auf Pixabay

 

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