Wenn Tiere allein bleiben sollen

mf – Die meisten Vierbeiner schätzen es nicht besonders, wenn sie allein bleiben müssen. Sogar Katzen, die ja normalerweise selbst kommen und gehen, wie es ihnen beliebt, legen durchaus Wert darauf, dass ihre Dosenöffner in erreichbarer Nähe sind. Und von Hunden, die ja Rudeltiere sind, wird es gar nicht gern gesehen, wenn Frauchen oder Herrchen sich ohne sie auf die Jagd begeben (andere Tätigkeiten sind vermutlich sinnlos für sie…). Viele Hundehalter haben das Problem, dass sich ihre einsamen Wauzis dann als Opernsänger oder Innenarchitekten gerieren, indem sie entweder endlose Arien von sich geben oder die Wohnung umdekorieren.

In der Ratgeberliteratur heißt es häufig, der Tierhalter solle das Haus ohne viel Aufhebens und möglichst kommentarlos verlassen und auch ebenso wieder kommen. Dadurch lerne der Hund, dass etwas völlig Normales sei, wenn sein Besitzer für ein paar Stunden weggehe. Es wird auch oft darauf verwiesen, dass es im Wolfsrudel ja auch Usus sei, dass sich die „Bosse“ mal allein vom Acker machten.

Ich habe damit so meine Probleme. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien noch ein Kind, und Ihre Mutter würde wortlos nach Einkaufstasche und Hausschlüssel greifen und verschwinden, ohne Ihnen zu sagen, wohin sie geht und wann sie wieder kommt. Sie wären vermutlich total verunsichert und verängstigt. Genauso geht es Ihrem Tier, es sei denn es hat ein besonders stabiles Urvertrauen und ist sich hundertprozentig sicher, dass seine Menschen es niemals im Stich lassen würden. Aber selbst dann wird sich Ihr vierbeiniger Freund nicht wirklich wohl fühlen.

Mein Vorschlag ist deshalb: Sagen Sie Ihrem Hund oder Ihrer Katze immer, wohin Sie gehen und wann Sie in etwa zurück sein werden. Nennen Sie eine Uhrzeit oder erklären Sie, wie viele Minuten oder Stunden Sie fort sein wollen. Vermutlich tippen Sie sich jetzt an die Stirn und fragen sich, was denn Ihr Hund mit dem Begriff 18 Uhr anfangen soll. Sie können sicher sein: Er versteht das. Er weiß ja auch, wann er gefüttert wird (steht er dann bei Ihnen auch immer schwanzwedelnd vor der Küchentür?), und wann es üblicherweise Gassi geht. Tiere haben durchaus eine Vorstellung von Zeit, und die Versicherung, dass seine geliebten Zweibeiner dann und dann wieder bei ihnen sein werden, ist sehr beruhigend für sie. Allerdings müssen Sie sich dann auch an Ihre Zeitvorgaben halten, sonst verscherzen Sie sich womöglich das Vertrauen Ihrer Lieblinge. Probieren Sie es aus!

©mf


Bildnachweis:
©Foto: "Spürnase" by Monika Falck, Lizenz: CC-BY-NC

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