Premium-Parmaschinken: Das Leiden der Sauen in Europas Ställen

Neue Recherchen zeigen die grausame Haltung von Schweinen / Verbot der Käfighaltung innerhalb der EU gefordert

Bericht: Vier Pfoten

Deutschland ist ein wichtiger Absatzmarkt für Parmaschinken aus Italien. Für scheinbare Premium-Produkte wie Parma- oder auch französischen Bayonneschinken leiden Sauen in europäischen Ställen. Das belegen die bedrückenden Aufnahmen, die VIER PFOTEN von der Tierschutzorganisation „Compassion In World Farming“ zur Verfügung gestellt wurden. Die Recherchen zeigen die grausame Haltung von Sauen in EU-Betrieben – einschließlich der Lieferanten von „Premium-Schinken“ wie Parma und Bayonne. Das Filmmaterial wurde in sechzehn Betrieben in Italien, Spanien, Frankreich und Polen aufgenommen.

©Foto: Compassion in World Farming

Auch die untersuchten Betriebe, die sogenannte „Premiumprodukte“ wie Parma- und Bayonneschinken produzieren, nutzen genau die gleichen grausamen Käfigsysteme, die auch in Standardbetrieben zum Einsatz kommen. Derzeit leben 85 Prozent der Sauen der EU in körperengen Metallkäfigen, dem sogenannten Kastenstand. Die Aufnahmen zeigen die Grausamkeit, die Qualen und die Frustration, die die Tiere in den Metallkäfigen erleiden müssen. Sie verbringen fast die Hälfte ihres Lebens in Käfigen, die so klein sind, dass sie praktisch jede Bewegung außer Aufstehen oder Hinlegen verhindern. Dabei müssen die Sauen in ihren eigenen Exkrementen und ihrem Urin liegen. Durch die Enge der Käfige werden die Mutterschweine daran gehindert, ihre Ferkel richtig aufziehen zu können. Anzeichen für Stress und Frustration der Tiere zeigen sich durch abnorme Verhaltensstörungen wie Stangenbeißen und Leerkauen.

©Foto: Compassion in World Farming

Bürgerinitiative „End The Cage Age“
Vergangenes Jahr hat sich die Europäische Kommission dazu verpflichtet, Rechtsvorschriften zur Beendigung der Käfighaltung sogenannter Nutztiere in der EU einzuführen. Diese Zusage erfolgte als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die 1,4 Millionen verifizierte Unterschriften von Bürger:innen aus der gesamten EU sammelte. Damit war sie die erste erfolgreiche EU-Initiative für Tiere in der Landwirtschaft.

„Wir fordern Bundeslandwirtschaftsminister und selbst ernannten obersten Tierschützer Cem Özdemir auf, sich auf europäischer Ebene für ein unverzügliches Verbot der Käfighaltung einzusetzen. Die EU muss dem Willen der Europäischen Bürgerinitiative folgen und unverzüglich ein Verbot dieser grausamen Haltungsform durchsetzen. Die Beendigung dieser Art von Massentierhaltung und die Umstellung auf alternative landwirtschaftliche Praktiken, die den natürlichen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden und das Wohlergehen der Tiere fördern, sind auch langfristig für die Gewährleistung des Tierschutzes und der Nachhaltigkeit von entscheidender Bedeutung“, so Ina Müller-Arnke, Expertin für Tiere in der Landwirtschaft bei VIER PFOTEN.

Hintergrund
In Italien werden jährlich rund acht Millionen Parmaschinken hergestellt – 36 Prozent davon werden exportiert. Knapp die Hälfte aller exportierten Parmaschinken werden innerhalb der EU verkauft. In Frankreich werden jedes Jahr etwa eine Million Bayonneschinken hergestellt. Ein im März 2022 veröffentlichter Bericht zeigt, dass ein reibungsloser finanzieller Übergang für die Landwirtinnen und Landwirte möglich wäre, wenn die EU ein Verbot von Käfigen einführt. Der Bericht des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) mit dem Titel „Financing the cage-free farming transition in Europe“ zeigt, dass sowohl einige bereits zur Verfügung stehende nationale als auch Finanzmechanismen der EU genutzt werden können, um den Übergang zur käfigfreien Tierhaltung in der gesamten EU zu unterstützen.


14.7.2022
Vier Pfoten Deutschland
www.vier-pfoten.de

 

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