Rattenscharf

Der Satz „sie freut sich ganz arg, sie kann es nur nicht so zeigen“ hätte heute Nacht bei mir Anwendung finden können. Als ich gegen drei Uhr morgens in die Küche tappte, um einen Schluck Wasser zu trinken, fand ich dort ein ganz tolles Geschenk meines Katers: eine riesige Ratte. Ich quiekte hellauf vor Begeisterung, aber böswillige Zeitgenossen hätten das auch als Schreckensschrei interpretieren können.

Völlig zu Unrecht natürlich. Meine Freude war so groß, dass ich sie sogar unbedingt teilen wollte. Normalerweise behalte ich meine Geschenke gerne für mich, aber dieses rattenscharfe Teil wollte ich meinem Mann nicht vorenthalten. Vor allem das Erlebnis, dass das Monstrum bei dem Versuch, es zu entsorgen, ganz plötzlich wieder lebendig werden könnte, stellte ich mir zu zweit einfach netter vor.

Ich weckte also meinen selig schlummernden Eheliebsten. Der freute sich ebenfalls ganz arg, aber so wirklich zeigen konnte er es auch nicht. Mir drängte sich sogar fast der Eindruck auf, er sei ein ganz kleines bisschen sauer. Mir war nur nicht klar, ob auf den Kater oder auf mich. Ich entschied mich dann für den Kater, denn alles anderes hätte ich doch als sehr unfair und kränkend empfunden.

Auf jeden Fall erwies sich meine bessere Hälfte als ganzer Kerl, bewaffnete sich mit einer großen Schaufel und stupste die Goliath-Ratte todesmutig an, was ich sehr heldenhaft, aber auch sehr leichtsinnig fand. Ich rechnete schon fast damit, dass das im Sinne einer Wiederbelebung aufgefasst werden könnte, und ihm das glückliche Tierchen vor Dankbarkeit ins Gesicht springen würde. Sehr gerne hätte ich daher mit einer zweiten Schaufel assistiert, aber ich durfte nur Handlangerdienste verrichten und eine Plastiktüte holen, in die mein Mann die tatsächlich tote Leiche versenken wollte. Wir stritten noch ein bisschen darüber, ob eine Hundekacktüte oder ein Müllbeutel angemessener wäre, aber zu guter Letzt landete die Jagdtrophäe meines Katers doch noch sauber verpackt auf der Terrasse.

Und wir wieder im Bett. Darüber freute ich mich so arg, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ich sah nur noch Ratten. Dicke fette feixende Ratten, die ihre Begeisterung darüber, in meiner Küche gelandet zu sein, so richtig unverblümt zeigen konnten.

Monika Falck

 

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