Versuchstierzahlen: Trotz Rückgang keine Entwarnung

Bericht: Menschen für Tierrechte

Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) hat gestern die Versuchstierzahlen für das Vorjahr veröffentlicht (1). Im Jahr 2024 wurden danach über drei Mio. Tiere im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet. Dies entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Die sinkenden Zahlen entlassen die Bundesregierung jedoch nicht aus der Pflicht, die hohe Zahl der Tiere, die in Versuchen leiden und sterben, weiter zu reduzieren. Die dafür nötige Reduktionsstrategie liegt längst vor. Schwarz-Rot muss sie dringend umsetzen.

Von den insgesamt 3.037.828 Tieren, die im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet wurden, wurden 1.302.190 Tiere direkt in Tierversuchen eingesetzt. Hinzu kommen 626.538 Tötungen zur Entnahme von Geweben oder Organen und 1.109.100 Tiere, die als sogenannte Überschusstiere getötet wurden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies insgesamt einem Rückgang um rund 14 Prozent.

Reduktionsstrategie umsetzen
„Über die Gründe für den Rückgang kann nur spekuliert werden. Fest steht: Die Arzneimittelforschung setzt zunehmend auf tierfreie Verfahren wie Künstliche Intelligenz (2). Es können aber auch beispielsweise obsolete Fragestellungen oder internationale Entwicklungen hinsichtlich der Märkte für Arzneimittel und die Kostenentwicklung eine Rolle spielen. Der Rückgang entlässt die Bundesregierung jedoch nicht aus der Pflicht, die Zahl der Tiere, die in Versuchen leiden und sterben, weiter zu reduzieren“, fordert Dr. Christiane Hohensee, Projektleiterin bei Menschen für Tierrechte.

EU entwickelt Fahrplan
Parallel mit der Entwicklung des EU-Fahrplans zur schrittweisen Abschaffung von Tierversuchen für die Bewertung der Chemikaliensicherheit hatte die Vorgängerregierung eine Reduktionsstrategie entwickeln lassen. Bisher hat die Bundesregierung jedoch keinen Versuch unternommen, diese umzusetzen. Der Verband Menschen für Tierrechte, der an der Reduktionsstrategie beteiligt war, fordert, dass die aufwendig von vielen Stakeholdern erarbeitete Strategie endlich umgesetzt wird. Perspektivisch setzt sich der Tierrechtsverband für einen Ausstieg aus dem Tierversuch ein.

Mehr Fische im Tierversuch
Mäuse sind mit 72 Prozent die nach wie vor die am häufigsten in Tierversuchen eingesetzte Spezies, gefolgt von Zebrafischen (10 Prozent) und Ratten (6 Prozent). Während die Anzahl der verwendeten Mäuse und Ratten zurückging, nahm die Zahl der Zebrafische um 16.254 Tiere sowie die Zahl der nicht näher bezeichneten anderen Fischarten um 4.558 Individuen zu. Insgesamt längerfristig gesehen stagniert der Einsatz von Fischen seit 2020. Der Verbrauch von Mäusen hat seit 2015 kontinuierlich abgenommen. Bei den Ratten ist ein leichter Rückgang festzustellen.

Anstieg bei Versuchen mit „Nutztieren“
Besorgniserregend ist dagegen die Entwicklung bei einigen sogenannten „Nutz“tierarten: Deren Anzahl hat im Vergleich zu 2023 insgesamt zugenommen. Dies betrifft Pferde, Rinder und Schafe, die in der Forschung sowie bei den gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen eingesetzt wurden. Auch Reptilien, Krallenfrösche und andere Amphibien kamen häufiger zum Einsatz, ebenso, wie die Zahl der Katzen, die um 71 stieg. Insgesamt wurden fast 700 Versuche mit Katzen durchgeführt.

Zahl der Affen sinkend
Ein Rückgang gibt es bei der Zahl der Affen, vor allem der Javaner, zu vermelden. Ihre Zahl sank um 613 Tiere, was einem Rückgang von etwa 41 Prozent entspricht. Die meisten der erstmalig verwendeten Tiere stammten aus Asien (494), gefolgt von Afrika (236). Dahinter verbirgt sich die Insel Mauritius, die eine Zuchtindustrie für die Versorgung von Tierversuchslaboren unterhält. Vergleichsweise wenige stammten von in der EU registrierten Züchtern (146).

Rückgang bei vorgeschriebenen Versuchen
Nach Einsatzbereichen ist der größte Rückgang bei den gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen festzustellen. Hier sank die Zahl der verwendeten Mäuse, Ratten und Kaninchen um insgesamt 33.719. Möglicherweise macht sich hier der Einfluss der Entwicklungen von tierversuchsfreien Verfahren für die Chemikalienentwicklung und -Testung bemerkbar. Auch in der Grundlagenforschung mussten 94.721 weniger Mäuse im Tierversuch leiden. Ob sich hier ein Trend abzeichnet, bleibt jedoch abzuwarten.
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(1) Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R). Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2024. 9. Dezember 2025. bf3r.de 
(2) www.invitrojobs.com


10.12.2025
Christina Ledermann
Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
www.tierrechte.de

 

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